Sonnabend, 1. Oktober 2022, 20:00 Uhr

 

Diven

HANS UNSTERN

 

Pop


TICKETS

Abendkasse

15 € / 10 €

 Online-Vorverkauf
12 €
zzgl. Gebühren


Hans Unstern © Jule Flierl
Hans Unstern © Jule Flierl


Hans Unstern behauptet von sich, nicht eine Person zu sein, sondern viele. Das gilt unter anderem für Fragen nach Autor*innenschaft, Geschlechtern und ständiger musikalischer Wandlung. Das letzte Unstern-Album hieß „The Great Hans Unstern Swindle“ (2012) und beschäftigte sich in bester Punkrock-Manier mit dem Show-Geschäft. Um Authentizitäts-Irrglauben und dem Wunsch des Menschen nach Lügen, die größer sind als das Leben. Sieben Jahre vergingen nach diesem großen Schwindel, in denen Hans Unstern gemeinsam mit Simon Bauer das dritte Album DIVEN baute. Ja, vor dem Komponieren und Schreiben stand tatsächlich das Bauen. Konstruieren. Sägen, schrauben, tüfteln,

schweißen, flexen, löten und spannen. Zusammen haben sie für dieses Album nämlich eine spezielle, elektro-akustische Harfe gebaut: Die V-Harfe. Benannt nach dem V in der Mitte von DIVEN. Um die Harfe herum gibt es noch weitere selbstgebaute Instrumente und Gadgets aus Metall und Holz, die zum Teil mit einem Bogen gespielt oder durch ein MIDI-Interface kontrolliert werden. So schlagen computer-gesteuerte Hämmerchen auf Blechkörper ein, Magneten bringen Harfen-Saiten zum Schwingen und zusammen spielen sie neue Unstern-Lieder. In Zeiten, in denen Ingenieur:innen jeden Sound mit Hilfe von Software emulieren und imitieren haben Unstern und Bauer sich künstlerisch in eine andere Richtung bewegt. Sie haben sich mit einem über 5000 Jahre alten Instrument beschäftigt und es in die Jetztzeit transformiert. Über
akribischen Bau und Konstruktion.


© Dorothea Tuch
© Dorothea Tuch

Und trotzdem klingt DIVEN seiner Zeit voraus. Auf dem Album vermengen sich kontrasexuelle Lovesongs mit Agitprop-Erzählungen aus der Untergrund-Werkstatt. Für die große Bühne gemacht. Hans Unstern changiert in den Liedtexten zwischen modernen Märchen und diskursiven Heftchen. Womöglich möchte uns Hans Unstern mit dem selbstgebautem Harfen-
Instrumentarium daran erinnern, das die Grundpfeiler unserer Gesellschaft schon viel älter sind als der Glasfaser-Neoliberalismus. Vielleicht hat sich hier jemand auch einfach dem Klischeebild des Singer/Songwriters an Klavier oder Gitarre befreien
wollen. Vielleicht hat die Multitude Unstern mit der V-Harfe über Umwege auch einfach nur das richtige Instrument im bunten Katalog der Kulturgeschichte für sich gefunden.